Als Agentur arbeiten wir komplett remote, unsere Mitarbeiter sind auf der ganzen Welt verteilt und wir sehen uns nur, wenn wir gleichzeitig WordCamps besuchen. Erzählt man anderen über das Remote Arbeiten, scheint es nur Vorteile zu geben. Doch es gibt auch Gefahren des Remote Arbeitens, welchen sich Inpsyderin Jessie im Adventskalender-Beitrag Nummer 3 widmet.


Wann man will und wo man will zu arbeiten gibt die Freiheit, das private Leben mit der Arbeit zu verbinden. Für viele ist das ein Traum, für manche (und für uns) bereits Realität. Dass die Zukunft der Arbeit eng mit Remote Work, Homeoffice, Fernarbeit (man mag es nennen, wie man will, es kommt auf das Gleiche hinaus: Arbeit für einen Arbeitgeber an einem selbstgewählten Ort zu einer (teilweise) selbstgewählten Zeit) verknüpft ist, zeigen der Arbeitsalltag und zahlreiche Berichte über die Digitalisierung des Arbeitens. Selbstverständlich beschäftigen sich auch viele Studien mit Work-Life-Balance, Vorteilen sowie Nachteilen der Arbeit der Zukunft.

In diesem Beitrag möchte ich allerdings kein Sammelsurium verschiedener Studien mit ihren jeweiligen Erkenntnissen erstellen. Vielmehr möchte ich – weil ich über die Vorteile des Remote Arbeitens bereits berichtet habe – auf die Gefahren des Remote Arbeitens eingehen.

4 Gefahren des Remote Arbeitens

Folgend zähle ich meine 4 Gefahren des Remote Arbeitens auf. Diese beschreiben zwar meine Erfahrungen speziell beim Remote Arbeiten. Ich denke jedoch, dass sie sich genauso auf Arbeitsmodelle wie das Homeoffice, bei dem man nur einige Tage nicht im Büro ist, übertragen lassen.

1. Ausufernde Arbeitszeiten

Ich habe es an mir selbst festgestellt und im Gespräch mit neuen Inpsyderinnen und Inpsydern herausgehört: In den ersten Tagen und Wochen des Remote Arbeitens gibt es manche, die das Gefühl haben, durchgehend arbeiten zu müssen und die ein schlechtes Gewissen haben, sobald man nur auf die Toilette geht. Denn dann sitzt man nicht mehr produktiv am Laptop, sondern befindet sich im privaten Badezimmer (um am Beispiel zu bleiben).

Dahinter steckt meiner Meinung nach das Gefühl, die Nicht-Präsenz in einem Büro ausgleichen zu müssen. Die kurzen Kaffeepausen, die man sonst im Büro hat und die helfen, die eigenen Gedanken zu sortieren, erlaubt man sich plötzlich nicht mehr.

Durch die ständige Erreichbarkeit beim Remote arbeiten verbringen manche deutlich mehr Zeit am Laptop – möglicherweise, weil sie das Gefühl haben, dass es “so sein muss”. Oder weil die Angst besteht, dass die eigene Arbeit nicht wahrgenommen wird, wenn jeder im Team immer arbeiten kann.

Mein Tipp: Sich selbst immer wieder daran erinnern, kurze Denkpausen zu machen. Nach der Arbeit den Laptop ausmachen und sich vergewissern, dass auch die Komunikationskanäle ausgeschaltet sind. Und natürlich: Sich selbst eine feste Arbeitsstruktur machen, an die man sich hält – banal, aber wirksam.

2. Kommunikation

Hier sehe ich zwei Gefahren: Auf der einen Seite zu wenig Kommunikation und auf der anderen Seite zu viel Kommunikation.

Beginnen wir mit “zu wenig Kommunikation”: Diese Gefahr besteht in meinen Augen vor allem dann, wenn man mit anderen an Aufgaben arbeitet oder Aufgaben weitergibt. Dadurch, dass dies vorrangig schriftlich (in Issues, in Slack-Nachrichten, in E-Mails) geschieht – damit die Aufgabe visuell für jeden existiert – können unklare Formulierungen zu Missverständnissen und Mehraufwand führen.

Auf der anderen Seite lenkt zu viel Kommunikation von der eigentlichen Arbeit ab. Videokonferenzen, in denen klare Aufgaben noch einmal durchgesprochen werden oder kurze Anrufe um den Status einer Aufgabe zu erfahren, aber auch schriftlich geführte Diskussionen, die durch Videokonferenzen schneller gelöst werden würden – all das ist “zu viel” Kommunikation auf dem falschen Kanal.

Deshalb mein Tipp: Beim Beschreiben und Abgeben von Aufgaben darauf achten, dass diese deutlich formuliert sind. Am besten liest sich der Verfasser die Nachricht noch einmal in Ruhe durch und überlegt, ob der formulierte Auftrag so klar ist, dass er sofort ohne Rückfragen ausgeführt werden kann.

Außerdem sollte sich jeder immer wieder aufs Neue die Frage stellen, ob man den richtigen Kanal benutzt, um seine Botschaft weiterzugeben.

Zu guter Letzt ist es beim Remote Arbeiten noch wichtiger als im Büro, auf die angemessene “Art und Weise” der Kommunikation zu achten. Denn gerade durch falsche Formulierungen in Chats oder in Videokonferenzen können Nachrichten schneller falsch aufgenommen werden, weil man sich nicht gegenübersteht und so nonverbale Kommunikation quasi nicht stattfindet (worüber jedoch eigentlich die meiste Kommunikation geschieht).

3. Ablenkung

Ablenkung, das ist so eine Sache. Kollegen können dich mit ihren Fragen aus deinem Workflow bringen. Oder du lenkst dich selbst ab, indem du “nur mal schnell” noch etwas nachschaust. Das sind beides Dinge, die dich auch im Büroalltag von deiner Arbeit abhalten.

Doch beim Remote Arbeiten ist die Selbstdisziplin eines jeden Menschen viel mehr gefragt. Wenn, die remote arbeitenden Menschen von zuhause statt von einem Co-Working-Space arbeiten, dann erst recht. Denn in der privaten Umgebung lauern viel mehr Ablenkungsmöglichkeiten. (Auch wenn es nur die Schmutzwäsche oder die Spinnweben an der Decke sind, die unbedingt beseitigt werden wollen.)

Mein Tipp: Struktur! Erkenne, wann deine Konzentrationsphasen sind und handle danach. Ich weiß von mir selbst, dass ich mich etwa 45 Minuten am Stück sehr gut konzentrieren kann. Wenn ich also eine Aufgabe beginne, blende ich alles, was mich ablenken könnte (bestes Beispiel: Slack-Nachrichten) aus und arbeite. Alles andere hat dann einfach zu warten, bis meine Konzentrationsphase vorbei ist und ich eine kurze Pause brauche. Dann lese ich die Nachrichten, stehe einmal auf und hole mir einen Kaffee. Erst dann finde ich mich wieder in die Aufgabe ein oder beginne mit einer Neuen.

4. IT-Sicherheit und technische Voraussetzungen

Dies ist ein letzer und auch kurzer Punkt. Dennoch ist gerade IT-Sicherheit ist ein wichtiger Faktor beim Remote Arbeiten. Diese muss schlichtweg vorhanden sein. Denn sonst haben sowohl die Firma als auch die Mitarbeitenden im Worst Case große Probleme.

Mein Tipp: Sich gut mit den Datenschutzbeauftragten stellen 😀 . Mitarbeiter und auch das Unternehmen (also der jeweilige Datenschutzbeauftragte) sollten immer wieder überprüfen, ob die verwendeten Tools, die eigene Software und die Prozesse datenschutzkonform und sicher sind.

Wie steht ihr zu den genannten Gefahren des Remote Arbeitens? Fallen euch noch weitere Gefahren ein? Ich freue mich auf euer Feedback!

Antwort abgeben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.